Bauarbeiter*innen errichten die Grundlagen unseres modernen Lebens, doch viele kämpfen im Stillen unter der Last ihrer Verantwortung. Lange Arbeitszeiten, körperlich anstrengende Arbeit und unvorhersehbare Bedingungen setzen nicht nur ihren Körpern, sondern auch ihrer Psyche zu. Aktuelle Zahlen und Erfahrungsberichte zeigen einen dringenden Handlungsbedarf in der Branche.
Eine wachsende Sorge um die mentale Gesundheit
Nach einer aktuellen Umfrage des Design-Build-Unternehmens Clayco gaben 64 % der Bauarbeiter*innen an, im vergangenen Jahr unter Angstzuständen oder Depressionen gelitten zu haben – ein Anstieg gegenüber 54 % im Jahr 2024. Obwohl inzwischen mehr Beschäftigte professionelle Hilfe in Anspruch genommen haben, schämt sich fast die Hälfte noch immer, offen über ihre psychische Gesundheit zu sprechen, und mehr als ein Drittel berichtet von Diskriminierung, nachdem sie sich geöffnet haben.
Das Chartered Institute of Building meldet, dass die Suizidrate unter Bauarbeiter*innen drei Mal so hoch ist wie in anderen Branchen. Fachleute führen das auf eine Kombination aus Arbeitsplatzunsicherheit, langen Arbeitszeiten und dem kulturellen Stigma gegenüber emotionaler Verletzlichkeit zurück – besonders unter Männern.
Das Schweigen brechen
In einem kürzlich erschienenen Place-North-Podcast betonte der Motivationstrainer Tom Dickinson, der nach dem Suizid seines Bruders die Initiative Tom’s Talks gründete, wie entscheidend offene Gespräche sind. „Es traf mich wie ein Schlag“, sagte Dickinson im Rückblick auf den Tod seines Bruders. „Ich war selbst einmal suizidal. Zum Glück konnte ich mich da wieder rausziehen.“ Sein Ziel ist es heute, in Schulen und Betrieben zu sprechen und andere zu ermutigen, Hilfe zu suchen und sich zu äußern, bevor es zu spät ist.
Eine Kultur der Fürsorge schaffen
Branchenführende wie Clayco-CEO Anthony Johnson und Fürsprecher wie Dickinson sind sich einig: Um die psychische Gesundheit im Bauwesen zu verbessern, braucht es gemeinsames Handeln.
Neben Sicherheitsunterweisungen und Gerätechecks müssen Unternehmen Vertrauen, Empathie und den Zugang zu Hilfeangeboten stärken. Arbeitsplätze, an denen sich die Beschäftigten wertgeschätzt und gehört fühlen, könnten das Fundament für echte, dauerhafte Veränderungen bilden.